Mexikanische Fröhlichkeit


... die durch Probleme mit der Benzinpumpe des Motorrads ein wenig gedämpft wurde!

Als wir mit unserem Freund aus Kalifornien, den wir in Nicaragua kennengelernt hatten, über die Grenze fuhren, begrüßte uns Mexiko herzlich mit strahlendem Sonnenschein. Wir ließen einige Papiere für ein Motorrad erstellen und bezahlten die Kaution. Die Höhe der Kaution hing vom Baujahr und dem Wert des jeweiligen Motorrades ab. Man versprach uns, das wir es ohne Abzüge zurückbekommen, was vielleicht nicht zu 100% stimmte, denn beim Tausch des Geldes muss man immer damit rechnen, dass man ein wenig Geld einbüßt. Diesmal war es uns egal, denn „Mexiko" auf 2 Rädern zu durchqueren war unser Traum! Das Gefühl, als wir zum ersten Mal im echten Nordamerika waren, war unglaublich. Wir unterschrieben alles, bezahlten und sprangen auf das Motorrad, um loszufahren.

Bacalar - der "Karibik - Farbene" süße See

Unterwegs war der "must be" Punkt für uns Bacalar - der Ort, an dem wir ein paar deutsche Biker kannten, die wir wenige Wochen zuvor in Panama kennengelernt hatten.

Übrigens – schauen sie sich das Bild an und raten Sie, wer Tanja und wer ich ist! Das ist das heutige Rätsel für Euch.

Tanja und Philipp sagten, dass der See einer der tollsten Orte ist, an denen sie je geschwommen sind und dass es zu dieser Zeit nicht wirklich voll war, weil die Leute, die in Yucatan ankamen, diesen Ort kaum kannten. Als wir ankamen erkannten wir, - dass sie mit keinem einzigen Wort gelogen hatten. Unser Zelt war in 3 Minuten aufgebaut und wir fingen an zu entspannen, den Blick auf den schönen See zu genießen und darin zu schwimmen.

Orte der Mayas - Tulum und Cancun Umgebung

Wie wir immer mit Reisenden scherzen, die wir unterwegs getroffen haben - wir alle mögen keine touristischen Orte und Menschenmassen. Cancun mit seiner ganzen Atmosphäre war einer dieser Orte. Als wir ankamen, wollten wir nicht länger bleiben, als es unbedingt nötig war. Hotels und Resorts dicht nebeneinander, alle Strände waren geschlossen und es war verboten dort zu campen. Menschenmassen, die sich im Wasser aufhielten enttäuschten uns ein bisschen und machten uns sogar ein wenig nervös. Wir besuchten nur wenige Cenoten (eine natürliche Grube oder ein Sinkloch, das durch den Einsturz von Kalkstein-Grundgestein entsteht, in dem das das Grundwasser freiliegt) und flüchteten in das erstaunlich schmutzige Gebiet im Norden von Yucatan, - Rios Lagartos und Las Coloradas. Dort waren nicht viele Menschen unterwegs, es waren kleine Städte mit nur lokalem Essen und ein paar kleiner Kirchen. Dort gab es dort einen großen, breiten weißen Sandstrand direkt am Meer, der für uns total privat und exklusiv war. Ein neu gebauter Pier, der direkt ins Meer "führte" - es wäre, denken wir, kein Problem gewesen, diesen mit dem Motorrad zu befahren. Aber als höfliche Touristen beschlossen wir, es nicht zu versuchen und gingen einfach auf den Pier, um ihn zu erkunden und einen Sprung ins Meer zu wagen. Am nächsten Tag fuhren wir direkt am Strand entlang, obwohl man sich mit dem Motorrad im Sand eingräbt - man hat den rosa See auf der einen Seite und das Meer auf der anderen. Dazwischen ist das Wasser gemischt und hat eine lila Farbe. Die einzigen Begleiter auf dieser Route waren die Flamingos und außer Flora war nichts zu sehen.

 

Anteil der Reisenden und Not (Elend)

Alles verlief ohne Probleme, aber oft liebt das Elend die Gesellschaft. Zuallererst - unser Freund Jeff hatte ein Problem mit seinen Lagern und wir mussten einen Mechaniker erwischen, um es reparieren zu lassen. Zum Glück wusste er, was mit seiner Maschine los war. Wir hielten in einem kleinen Dorf an, um den Reifen von der Felge zu ziehen um in eine andere Stadt zu einem anderen Mann zu fahren, der hierfür einige Spezialwerkzeuge hatte. 

Zwei Tage zu verpassen war kein wirklich großes Problem, aber auf dem Weg nach Merida - dem Ort, von dem wir wussten, dass dort eine BMW-Werkstatt ist und wir dort einen Ölwechsel machen lassen mussten. Begann unsere Benzinpumpe nach einer Laufleistung von 70 000 km zu versagen. Eigentlich hatten wir das schon vermutet, ganz klar war es jedoch trotzdem nicht. Das Motorrad fing an zu stocken, also fuhr Lucas mit leicht aufgedrehtem Gaspedal sodass Donkey nicht wie ein Känguru durch die Gegend sprang. Wenigstens bewegten wir uns, aber auf lange Sicht war es frustrierend. Als wir in Merida ankamen, reinigten die Jungs vom BMW-Händler die Stecker und sagten uns das diese nur schmutzig seien, aber der Computer verrücktspiele. Okay - sagten wir, und nach dem Ölservice fuhren wir weiter.

In Merida trafen wir einen unserer engen Freunde, der uns später auch in Polen besuchte - den großen Reisenden Victor Cousi, der als erster Mexikaner alle Kaps von West nach Ost und von Nord nach Süd gefahren ist und dass auf 3 Kontinenten: Europa, Asien und Afrika.

Das Glücksgefühl nach dem Reinigen des Steckers währte nicht ewig. Nach ca. 100 km hatten wir das gleiche Problem wieder, also öffneten wir mit diesem Wissen bei jedem Boxenstopp den Deckel und reinigten unsere Stecker. Nach dem 10. Mal waren wir einfach müde und uns wurde klar, dass es nur darum geht, das Benzin runter zu kühlen. Die Außentemperatur betrug etwa 30 Grad Celsius, im Inneren des Tanks war es um einiges wärmer. Als wir also anhielten, sank die Temperatur um ein paar Grad und das Motorrad hörte für eine Weile auf zu stottern.  Nach einiger Zeit fiel die Temperatur in Mexiko unter 30 Grad, also war das Problem für den Moment erstmal verschwunden. Aber wir wussten, dass es wiederauftauchen würde, sobald die Temperaturen wieder über 30 Grad stiegen.

Mexiko bedeutet Kakteen, Tequila und Tacos!

Tacos sind zum Essen, okay, das ist alles, was wir wissen. Tequila - oh jeder weiß, dass es ein Getränk ist. Aber wir wussten nicht, dass man Kakteen auch essen kann und dass es aus ihnen einen Saft gibt, den man auch trinken kann!

Die Mexikaner sagen - wir lieben unsere Wüste – dort gibt es viel zu essen und man stirbt nicht, falls man sich verirren sollte. Dies stimmt. Wir haben uns im Wüsten Survival versucht, haben einige Blüten von Kakteen gegessen, den rosafarbenen Saft getrunken und haben sogar ein paar Insekten und getrocknete Würmer probiert. Es fiel mir schwer, dies jetzt zu schreiben, aber sie waren köstlich und knusprig. Wir konnten ihnen nur nicht in die Augen schauen, also aß ich ihren Hintern und überließ den Rest Lucas.

Wir besuchten auch die Tequilla City und tranken das originale saure Getränk mit Salz und Eiweiß darin. Viele Orte haben wir wegen der Situation mit unserer schwächelnden Benzinpumpe verpasst und die Strecken abgekürzt. Einiges haben wir auch verpasst, weil die Einheimischen uns sagten, dass der nordöstliche Teil Mexikos nicht der beste Ort für Reisende sei. Wir mögen Adrenalin, aber möchten uns nicht mit Gewalt in Gefahr bringen – daher mieden wir bestimmte Orte und Straßen von denen die Einheimischen uns abgeraten haben. Wenn sich verstrittene Clans untereinander bekämpfen – wollten wir uns besser nicht auf ihrem Territorium aufhalten

Baja, Baja California!

Wir beeilten uns um dorthin zu kommen, direkt von Mexico City aus ging es (wir haben es eigentlich übersprungen und sind mit der Ringstraße daneben gefahren) nach Mazatlán - der kleinen Stadt mit Hafen. In der wir im letztmöglichen Moment auf die Fähre gefahren sind und die letzten Tickets gekauft haben. Das bedeutete für uns: wir hatten keine Kabine zum Schlafen und die 12-stündige Überfahrt gestaltete sich sehr, sehr lang. Glücklicherweise fanden wir drinnen einen kleinen Platz zum Sitzen, in der ansonsten vollbesetzten Fähre. Mehr noch - wir fanden einen Platz auf dem Boden und da wir alle unsere Campingsachen dabeihatten, packten wir die Matratzen aus und schliefen ein wenig in einer geschäftigen und lauten Hölle, in der wir mit unserem Freund Jeff teilten. Denken Sie daran - in diesen Ländern vorsichtig zu sein, ist einfach eine gute Angewohnheit.

Am nächsten Tag, war die Off-Road-Fahrt – laut der Empfehlung unseres Freundes, der dort mit seiner leichten Suzuki 4 Monate zuvor fuhr - ein Alptraum für uns, trotz der Tatsache, dass wir zuvor auf der Fähre ein wenig schlafen konnten. Okay - die Natur schuf für uns wunderbare Landschaften - präzise gerillte Steine: grüne, weiße, rote, braune und blaue Farben und riesige fast 6 Meter hohe Kakteen umgaben uns wie in einem Wald.

 

Als wir nach unserer 7-stündigen Fahrt im Dreck ein weiteres Mal (wahrscheinlich zum 100. Mal!) in den Dreck stürzten, beschlossen wir, aufzugeben. Der größte Teil der Straße war sehr steinig, nach einigen Überschwemmungen in den letzten 3 Monaten waren der Boden und das Gelände leider unpassierbar geworden. Ich ging zu Fuß und Lucas kämpfte sich mit dem Motorrad durch. Wenn es bergauf ging, versuchte er das Motorrad gerade zu halten, ebenso wenn es bergab ging. Unser 400KG schweres Motorrad (ohne Sozius) schlug wie ein Ball auf Felsen auf und jeder spitze oder größere Stein ließ das Motorrad abprallen und es fiel auf die Seite. Lucas war nach dieser Tortur erschöpft und kraftlos. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich ihn so hilflos- er setzte sich auf den Boden und begann fast zu weinen. Das war nicht mein Lucas! Dies war auch das erste Mal, dass er sagte- lass uns umkehren, zurück auf die Straße und den Asphalt. Das war für ihn überhaupt nicht normal, die Situation war wirklich schlimm - er hat sich nie dazu entschlossen, auf dem gleichen Weg zurück zu fahren auf dem wir gekommen sind! Er hasst das!

Wir kämpften uns weitere 7 Stunden zurück und landeten endlich auf der asphaltierten Straße.

Baja war wunderschön, aber wir werden diese Halbinsel als diejenige in Erinnerung behalten, die gegen uns trotz unserer Fertigkeiten und unserer Kraft gewonnen hat.

Da wir wieder auf der normalen Straße waren, fuhren wir durch Baja und erreichten die Verabredung mit den Moto-Reisefreunden nach etwa 2 Stunden. Auch hier kosteten wir wieder mexikanisches scharfes und köstliches Essen, bei dem mir jedes Mal schlecht wurde, weil ich mich für die schärfste Soße entschied, die es gab.

Mexikanisches Ostern

Es war April und am Samstag vor Ostern erreichten wir die Grenze zu den USA in Tecate anstatt in Tijuana. Tijuana ist vielleicht größer, aber die Leute warnten uns, dass die Schlange an der Grenze immer seht lang ist und die ganze Stadt mit ihren Gangs recht gefährlich sei.

Am späten Abend sagten uns die Beamten und der Zoll, dass wir keine Möglichkeit hätten, unser Geld von der Kaution, die wir bei der Einreise nach Mexiko hinterlegt hatten, zurückzubekommen.

Können Sie sich vorstellen, dass das einzige Visum, das wir als polnische Staatsbürger brauchten, um von Argentinien nach Alaska zu fahren, das Visum für die Einreise in die USA war? Wir waren uns nicht einmal sicher, ob sie uns einmal einreisen lassen würden, geschweige denn zweimal, also war die Option, an diesem Tag durchzufahren und am nächsten Tag wiederzukommen, irrational. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.

Daher war die einzige Option, uns ein Hotelzimmer zu nehmen und so die letzte Nacht in Mexiko zu verbringen. Das bedeutete für uns, dass wir zum Osterfrühstück Tacos, Tortillas und sehr, sehr scharfe Habanero-Sauce essen konnten! Nur um den mexikanischen Geschmack für lange Zeit nicht zu vergessen!

Das Abendteuer geht weiter… seid gespannt, liebe Grüße

Marta und Lucas

Category: Adventure | Travel