UPDATE: Von Salzburg nach Singapur


30.000 Kilometer in 245 Tagen auf zwei KTM 790 Adventure R. Entlang der ehemaligen Seidenstraße. Was sich für viele wie ein verrückter Traum anhört, wurde für Florian Greger und Roman Schießl Anfang April diesen Jahres Wirklichkeit. Touratech begleitet die beiden beim größten Abenteuer ihres Lebens.

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Nepal + Nordostindien

Nepal bietet mir einige erholsame Tagen in Pokhara, das als Ausgangspunkt für viele Wanderungen und als "Mekka des Gleitschirmfliegens" bekannt ist. Ich beobachte wie die Piloten ihre Kreise ziehen, lasse am Seeufer meine Seele baumeln und treffe viele andere Reisende. Diese Idylle ist zum sehr turbulenten und verschmutzen Kathmandu ein deutlicher Gegensatz.

Für zwei Wochen besucht mich mein sehr guter Freund Timmy und wir sind nun wieder zu zweit mit meiner KTM 790 Adventure R unterwegs. Wenn man nicht langsam an den chaotischen Verkehr herangeführt wird, ist man zurecht ziemlich geschockt wie waghalsig und rücksichtslos auch hier in Nepal gefahren wird. Ständiges Hupen und schnelles Reaktionsvermögen bleiben die beste Lebensversicherung. In Kathmandu erleben wir an einigen religiösen Plätzen die Spiritulaität des Buddhismus und Hinduismus - bei den zeremionellen Leichenverbrennungen können wir eine ganz besondere Atmosphäre spüren.

Im historisch bedeutsamen Bandipur, dem geografischen Zentrums Nepals, kommen wir auf einem Hügel in Zelten unter und erhaschen einige Blicke auf das 8.000er Bergpanorama. Studenten aus der Region feiern ihren Abschluss und fordern uns zum traditionellen Tanz auf - so verbringen wir bei nepalesischem Volksliedern eine gesellige Zeit am Lagerfeuer.

Die kurvige Strecke führt uns zurück nach Pokhara, wo wir einige Tage die KTM stehen lassen. Wir treffen viele Reisende verschiedenster Nationen und lassen es uns unter anderem bei einer Bootstour, Wanderung sowie leckerem Essen gut gehen.

Unser Weg führt uns weiter in den Chitwan Nationalpark. Zu unserer Sicherheit begleiten uns zwei Führer. Zuerst paddeln wir in einem Kanu flussabwärts vorbei an Krokodilen und bekommen dann einige ernste Verhaltensvorschriften für unseren Fußmarsch zurück durch den dichten Dschungel unterbreitet. Zeitgleich kündigt sich ein wildes Nashorn an. Wir sind alle ziemlich aufgeregt bis abgeklärt ist, dass uns ein Flusslauf von dem nur 20 Meter entfernten Nashorn absichert. So beobachten wir hinter Büschen versteckt aus nächster Nähe sein Treiben - ein wirklich besonderes Erlebnis. Kurz darauf haben wir erneut Glück. Dieses Mal kreuzt eine Nashornmutter mit ihrem Neugeborenen unseren Pfad.

Als wir am Abend bei einem kühlen Bier in einer Bar unsere Erlebnisse Revue passieren lassen, schlendern zuerst einige Elefanten von der Feldarbeit durch das Dorf zurück. Doch plötzlich sind alle ganz aufgeregt. Ein wildes Nashorn hat sich offenbar verlaufen und spaziert nun seelenruhig durch die Gassen.

Zurück in Kathmandu heißt es Abschied nehmen und ich breche auf in Richtung Grenzübergang nach Nordostindien.

Nur wenige Motorradreisende verschlägt es in diese Region - völlig zu unrecht, denn es hat Natur pur sowie tolle Kulturen zu bieten.

Entlang der historischen Eisenbahnstecke nach Darjeeling windet sich eine schöne Bergstraße durch die grünen Teeplantagen. Die weiteren Strecken durch Sikkim sind geprägt von unzähligen Kurven, zahlreichen Wasserfällen und saftig grüner Hügellandschaft. Aber auch den Monsunregen bekomme ich leider einige Tage deutlich zu spüren.

Ebenfalls wunderschön ist die Region im Grenzgebiet zu Bangladesch, das subtropische Dschungelatmosphäre und erstaunlich gute Bergstraßen bietet. Als weißer Tourist und dann auch noch auf einer KTM 790 Adventure R bin ich hier eine absolute Rarität - so dauert eine Motorradwäsche schon mal gute zwei Stunden, um all den interessierten Passanten mit Antworten und Selfies gerecht zu werden.

Ein absolutes Highlight und der Abschluss meiner Indienreise erwartet mich am Loktak See. Natürlich wachsende Grasinseln bieten inmitten des Sees Platz für einige schwimmende Strohhütten. Nach einem langen Fahrtag wird die KTM am Seeufer bei einem freundlichen Bauern geparkt und in einem Kanu geht's raus in die sternenklare Nacht. Mit anderen Gästen verbringe ich einen geselligen Abend und traue am nächsten Morgen meinen Augen kaum - eine absolute Postkartenidylle!

Mit diesen überraschend tollen Eindrücken aus dem nordöstlichen Indien verabschiede ich mich von einem extrem vielfältigen Land und mache mich auf den Weg an die Grenze zu Myanmar.

Indien

Am Grenzübergang Wagah zwischen Pakistan und Indien findet seit Jahren jeden Abend eineabsurd verrückte Militärparade zur Fahneneinholung statt. Diese Show soll in erster Linie dieMacht der beiden Dauerrivalen demonstrieren und das Publikum gegen die jeweils andere Nation aufheizen. Die eigens dazu errichteten Tribünen sind auf beiden Seiten des Grenzzauns mit mehreren hundert Schaulustigen gefüllt - wir gehören heute auch dazu. Da wir ausschließlich nur friedliche und überaus freundliche Pakistaner kennengelernt haben, fällt es uns schwer mit anzusehen, wie sich die beiden Nationen über den Zaun hinweg anstacheln. Die präzisechoreografierte Parade erinnert an Szenen aus Monty Pythons "Silly Walks": Wer sein Bein besonders weit zum eigenen Kopf hochschwingt und dabei möglichst furcht einflößend sein Gegenüber anstarrt, gewinnt den Jubel des Publikums.

Diese irritierende Show dauert bis in die Dämmerung hinein, womit unser erstes Kennenlernen des indischen Verkehrs im Dunkeln stattfindet. Das erste Fazit: Der Indische Verkehr ist komplett verrückt! Die Verkehrssituation wird durch all die Tiere und Vielzahl an unberechenbaren Fahrzeugen verschärft. Aber offen gesagt haben wir das bereits erwartet. Vorausschauendes Fahren, Blinker, Licht und Helm sind für die meisten Inder offenbar Fremdwörter. Nur das Rechtdes Stärkeren zählt. Wichtigstes Mittel: Die Hupe!

In Amritsar besuchen wir den sehr spirituellen Platz des Golden Tempels. Er ist das höchsteHeiligtum der Sikhs und als Pilgerstätte auch bereits in den frühen Morgenstunden gut besucht.

In Jammu haben wir eine KTM Werkstatt ausfindig gemacht, bei der wir unsere Kettensätze bei rund 22.000 km wechseln, die wir seit Kirgistan im Gepäck haben. Sie hätten wohl noch weitere5.000 km gehalten, aber wir wollten sie nicht länger mitschleppen. 

Unser Weg sollte uns eigentlich weiter nördlich in die Region Kashmir führen, um von Leh die berühmte Strecke nach Manali zu starten. Jedoch werden wir von mehreren Bewohnern in Jammu davor gewarnt, dass unmittelbar etwas passieren wird, da zusätzliche 35.000 Soldatenin den letzten Tagen angerückt sind. Somit warten wir gespannt auf die Verkündigung des indischen Premierministers: Das von Pakistan beanspruchte Kaschmir und auch Jammu soll mit sofortiger Wirkung seine Eigenständigkeit verlieren und von Delhi aus regiert werden! Das ist vor allem dem mehrheitlich muslimische Kashmir ein Dorn im Auge, da die indische Regierung eine hinduistische Mehrheit aufweist. Die Geschäfte bleiben vorerst geschlossen, Telefon und Internet werden von der Regierung stillgelegt und es ist nur mit Einschränkungen erlaubt das Haus zu verlassen - wir sitzen also vorübergehend fest.

Bei uns in Jammu beruhigt sich nach 3 Tagen die Situation. Die Soldaten bleiben weiterhin präsent, aber weitesgehend kehrt der Alltag in die Stadt zurück. Die Lage in Kashmir bleibt für mehrere Wochen sehr undurchsichtig, da weiterhin jeder Informationsaustausch unterbunden wird, was v.a. für getrennte Familien nur schwer zu ertragen ist. Außerdem steht in wenigen Tagen der indische und auch der pakistanische Unabhängigkeitstag bevor und es wird mit entsprechenden Aktionen in dieser Region gerechnet. Deshalb entscheiden wir uns dazu, vom Süden her nach Manali anzureisen und von dort aus nach Leh aufzubrechen.

Manali ist der Ausgangspunkt für alle Abenteurer und viele Touristen mieten sich eine Royal Enfield, um sich auf den 2-3 tägigen Weg nach Leh zu begeben und dort die einzigartigen Täler zu erkunden.

Mit unseren beiden KTM 790er überqueren wir den 3.978m hohen Rhotang-Pass, der zu den niedrigsten Pässen in den nächsten Tagen gehören soll. Unsere Motorräder sollen mehrmals über 5.000m klettern und einen der höchsten befahrbaren Gebirgspässen der Erde, den KardungLa mit 5.359m, erklimmen.

Doch der Dauerregen der letzten Tage macht uns einen Strich durch unsere Pläne. Mehrere Erdrutsche und Überschwemmungen machen ein Weiterkommen undenkbar. Wir sitzen für zwei Nächte in einem kleinen Bergdorf fest - die Straße ist in die eine Richtung mit einem reißenden Gebirgsbach überflutet und auf der anderen Seite liegt zu viel Schnee am Rohtang-Pass. Wehmütig treffen wir die Entscheidung nach der Schneeschmelze umzukehren und sind gezwungen das Manali-Leh Abenteuer in einer gesonderten Reise in Angriff zu nehmen. Dass wir wiederkommen werden, steht auf alle Fälle fest!

Nach anhaltendem Dauerregen zurück in Manali, hat mir Florian eine überraschende Entscheidung mitzuteilen: Er kann aus persönlichen Gründen nicht bis nach Singapur weiterfahren und wird seine Reise vorzeitig in Nepal beenden. Das Projekt "Salzburg to Singapore" werde ich alleine fortsetzen, wobei mich meine Freundin ab Thailand auf den letzten Kilometern begleiten wird.

Somit blicken wir nochmal positiv und stolz auf 145 gemeinsame Tage voller Abenteuer zurück, die unsere Freundschaft sehr besonders machen und verabschieden uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Manali.

Aufgrund unterschiedlicher Zeitpläne trennen sich unsere Wege und ich fahre nun auf mich alleine gestellt weiter. Einen Reisepartner zu haben ist auf alle Fälle etwas Tolles - vor allem im indischen Verkehr. Alleine zu reisen gibt mir jedoch auch ein großes Freiheitsgefühl und man lernt definitiv noch schneller fremde Menschen kennen.

Gut in Agra angekommen besichtige ich das beeindruckende Taj Mahal und die Rote Festung. Es geht anschließend weiter zu den sogenannten Kamasutra Tempeln von Khajuraho, deren Mauernvon über 1.000 Jahre alten Steinfiguren übersäht und von hohen Shikhara-Türmen geprägt sind. Am Ufer des Ganges in Varanasi tauche ich in die Spiritualität des hinduistischen Glaubens ein: Die religiösen Zeremonien und Leichenverbrennungen am Ganges kommen einem als Europäer auf dem ersten Blick natürlich etwas befremdlich vor, aber diese Eindrücke prägen sich definitiv nachhaltig ein und erweitern meinen persönlichen Horizont.

Ermüdet vom sehr geschäftigen Varanasi mache ich mich auf zur nepalesischen Grenze. Ich bin erleichtert das chaotische Indien vorerst hinter mir zu lassen, auch wenn mich mein weiterer Weg bereits in wenigen Wochen über das nordöstliche Indien nach Myanmar führen wird.

In den ersten Tagen in Nepal genieße ich im grünen Pokhara einige erholsame Tage an einem malerischen Seeufer und habe tolle Begegnungen mit anderen Reisenden. Voller Vorfreude erwarte ich bereits in wenigen Tagen einen sehr guten Freund in Kathmanduund wir werden für zwei Wochen gemeinsam das wunderschöne Land im Herzen des Himalayaerkunden.

 

 

 

 

Pakistan

Der erste Eindruck zu Pakistan lässt unsere Gesichter einfach nur strahlen. Von China kommend befinden wir uns am weltweit höchstbefahrbaren Grenzübergang auf 4.693m und sind von dieser Willkommenskultur mehr als beeindruckt. Viele Pakistaner sind an diesem Tag als kühleres Ausflugsziel hierher zum Khunjerab Pass gekommen. Nun werden wir von der Menge überrannt und mit Freundlichkeit überschüttet: Sie wollen uns alle kennenlernen, bitten um unzählige Selfies, einige Interviews und noch direkt am Grenzzaun wird spontan getanzt und gefeiert - wenn sich Pakistaner so über neue Gäste freuen, muss das Land einfach nur herzlichlich sein! Und auch der zweite Eindruck bringt unsere Augen zum Leuchten: Die Landschaft ist atemberaubend schön, die Menschen unglaublich nett und die Gastfreundschaft einzigartig großzügig - daran können wir uns wirklich ein Beispiel nehmen.

So kommt es u.a. vor, dass wir uns zum Mittagessen einen Fisch bestellen, zufällig einen kurzen Plausch mit einem freundlichen Pakistaner halten und dieser ganz selbstverständlich unsere Rechnung begleicht. Außerdem treffen wir am Khunjerab Pass auf einen BMW-Biker namens Waseem, der uns einlädt, in ein paar Tagen seine Firma zu besichtigen, die maßgeschneiderte Motorradanzüge aus Leder herstellt und verkauft. Aber dazu später mehr - jetzt wartet erst mal die Weiterfahrt auf dem legendären Karakorum Highway, der uns durch die aufeinandertreffenden Gebirgsketten des Hindukusch, Pamir, Karakoram und Himalaya bis ins Hunzatal führen wird. Wir schlagen unser Lager für die nächsten Tage in Passu auf und erkunden von dort aus die umliegenden Täler wie das Misgar Valley und Shimshal Valley, die wie ein Abstecher in eine andere Welt sind. Kaum vorstellbar, wie beschwerlich und gefährlich der einzige Versorgungsweg zum Dorf Shimshal ist, der auch im Winter von den Einheimischen befahren wird. 

Weiter südwärts dem Hunza Fluss folgend machen wir Halt am türkisfarbenen Attabad-Stausee, dessen Wasserspiegel seit einem Bergsturz 2010 ca. 300m höher liegt und mehrere Dörfer verschwinden ließ. Seit 2015 ist die neue Umfahrungsstraße eröffnet und erst die Pakistan-China Friendship Tunnel machen es möglich, dass der Karakorum Highway wieder durchgängig befahrbar ist. Das Bergpanorama mit deren zahlreichen 7.000er Gipfeln und Gletschern zaubert uns regelmäßig ein breites Lächeln ins Gesicht - wie z.B. im Hopar Valley mit Blick auf den Bualtar Geltscher. Am Fuße des Rakaposhi sitzen wir auf knapp 2.000m an einem Gebirgsbach, der das Schmelzwasser rauschend talabwärts fließen lässt. Wir bestaunen den 7.788m hohen Gipfel und den durchgängigen rund 6.000m steilen Aufstieg, der weltweit einzigartig ist. Unser Umweg ins Rupal Valley sollte mit einem Blick auf den 8.126m hohen Nanga Parbat belohnt werden, der sich heute aber leider hinter einem dichten Wolkenband versteckt.Jedoch ist die Gletscher-Kulisse der umliegenden Berggipfel eine gelungene Entschädigung und wir verbringen die Nacht glücklich in unseren Zelten. Am nächsten Tag geht's weiter in den Deosai Nationalpark.

Der Deosai Nationalpark und die umliegenden Täler gehören wohl zu den schönsten Landschaften Pakistans und sind nur einen Steinwurf zur umstrittenen Kashmir-Region entfernt. Befestigte Straßen sind im Nationalpark nicht erlaubt, so dass eine Buckelpiste der Extraklasse hindurch führt. Die grünen Hügeln des Deosai Nationsparks werden vom Sheosar Lake auf 4.142 Metern gekrönt und locken zahlreiche Pakistaner zu Tagesausflügen an. Mit den u.a. dort lebenden Braunbären, Wölfen und Schneeleoparden machen wir leider bzw. zum Glück keine nähere Bekanntschaft - dafür mit der einzigartigen Natur.

Wir erholen uns ein paar Tage in Skardu bevor es den selben Weg zurück und über Islamabad weiter südlich in Pakistans Textilindustrie nach Sialkot geht.
Der Einladung von Waseem kommen wir sehr gerne nach und er gibt uns einen tollen Einblick in seine Manufaktur von maßgeschneiderten Lederanzügen - wären wir nicht bereits so begeistert mit den Touratech-Anzügen unterwegs, würden wir uns gleich welche anfertigen lassen. Im Anschluss steht die Besichtung einer Textilfabrik für Militärische Luftfahrt und eines Herstellers von Feinwerkzeugen für die Medizinbranche auf dem Programm. Es ist interessant zu sehen wie unter teilweise einfachsten Umständen qualitativ sehr hochwertige Produkte entstehen.

Der lokale Bikerclub organisiert für uns spontan einen Tagesausflug ins ländliche Dorfleben. Wir bekommen erntefrische Mangos und haben eine unvergessliche Zeit zusammen.
Dabei begleitet uns immer eine beispiellose Gastfreundschaft. Wir verbringen mehrere Tage bei unserem neuen Freund Waseem, lernen den pakistanischen Alltag näher kennen und werden als Teil seiner Familie behandelt. Somit besteht er darauf, uns ohne Ausnahme auf wirklich alles einzuladen - einfach unglaublich!

Wir sind ihm für immer dankbar und revanchieren uns mit einer Einladung nach Deutschland.
Waseem lässt es sich nicht nehmen mit uns gemeinsam auf seiner BMW nach Lahore weiterzufahren. Für ihn ganz selbstverständlich sind wir bei seiner Schwester eingeladen und er zeigt uns als persönlicher Stadtführer die moderne Millionenmetropole inklusive Altstadtcharme. Am nahelegenen Grenzübergang zu Indien müssen wir leider Abschied nehmen. Den meisten Pakistaner ist es verwehrt ihr Nachbarland einfach zu besuchen - außer sie haben dort Familie.Die berühmte und ziemlich verrückte Parade der täglichen Grenzschließung werden wir uns auf der indischen Seite anschauen.

Viele Pakistaner haben uns immer wieder neugierig gefragt, wie wir ihr Land finden? Unser Eindruck ist eindeutig: Unglaublich friedvoll, beispiellos gastfreundlich und einfach nur wunderschön - eine absolute Reiseempfehlung!

Kirgistan und China

Kirgistan begrüßt uns wie das Bild einer Postkarte: Jurten auf grünen Wiesen, wild lebende
Pferde und im Hintergrund schneebedeckte Berge. Die dazu meist hervorragenden
Hauptstraßen laden einfach nur zum Genießen ein.


Doch bevor wir diese Szenarie richtig genießen können, ruft erstmal die Pflicht: Die beiden KTM
790 Adventure R haben mittlerweile gut 15.000 km auf dem Tacho und es ist Zeit für den Service
bedingten Ölwechsel. Nach den staubigen Strapazen des Pamir Highways tauschen wir bei
dieser Gelegenheit auch gleich noch die Luftfilter aus.
Für zwei Wochen trennen sich nun unsere Wege, da wir jeweils mit unseren Freundinnen Kirgistan
bereisen werden.


Auch zu zweit und mit Zusatzgepäck machen die KTM 790er außerordentlich viel Spaß!
In den schattigen Walnusswäldern rund um Arslanbob genießen wir erstmal die Ruhe und
tauschen uns über die zahlreichen Erlebnisse der letzten Wochen aus. Außerdem besuchen wir
den Wasserfall im Ort, der zur absoluten Touristenattraktion wurde.
Bei der anschließenden Fahrt durch die Suusamyr Hochebene bekommen wir einen ersten
Eindruck vom Leben der kirgisischen Nomaden: Im Sommer treiben sie ihre Pferde und Schafe
auf dieses kühlere Plateau, um sie auf den saftig grünen Wiesen frei laufen zu lassen. Sowohl die
Nomaden als auch wir schlafen hier standesgemäß in traditionellen Jurten, die nachts zum Glück
beheizt werden.


Diesen Luxus haben wir Tags darauf beim Camping an einem Fluss leider nicht, dafür wärmt uns
ein Lagerfeuer. Wie wunderschön kontrastreich Kirgistan ist, zeigen die darauffolgenden Tage am Issyk Kul See, der mit einsamen Stränden, leckeren Fischessen und mit dem nahegelegenen Fairy tale Canyon begeistert. Die Landschaft ist ein prächtiges Spiel der Farben, das uns zum Staunen bringt. Nach dem Besuch einer traditionellen Filzmanufaktur geht es für uns an den über 3.000m gelegenen Song Kol See: Pferdeherden auf grünen Wiesen umringt von Gebirgsketten - dieses einzigartige Ambiente und die erholsame Ruhe lässt uns richtig entspannen bevor es wieder nach Osh zurück geht und wir von unseren Freundinnen Abschied nehmen müssen.
Auf den teils sehr schlammigen und zugleich wunderschönen Offroad Wegen zur chinesischen
Grenze kommt ein gemischtes Gefühl aus Neugier und Anspannung hoch, da wir schon einige
kuriose Berichte über den nun anstehenden China Transit gelesen haben.


Rund ein Monat in Kirgistan neigt sich dem Ende. Wir verbringen den letzten Tag mit mäßig
erfolgreichem Angeln am Bach neben unserer Jurte und einer abschließenden Sauna auf knapp
3.000m - umrahmt von einem Regenbogen im Hintergrund unserer Jurte. Kirgistan zeigt sich
wirklich nochmal von seiner besten Seite. Am nächsten Tag nehmen wir wehmütig von diesem wunderschönen Land Abschied und treffen unseren obligatorischen Guide am chinesischen Grenzübergang.

Der 5-tägige China Transit ist mit unzähligen Papieren, nervtreibenden Strapazen und enormen
Kosten verbunden. Aber es ist für uns die einzige Möglichkeit nach Pakistan und somit weiter östlich zu gelangen.


Außerdem wartet mit dem Karakorum Highway mit 4.693m die höchst gelegene Fernstraße der
Welt auf uns, der auch Pakistan-China Friendship Highway genannt wird.
Die Grenzformalitäten sind eine Tortur: Unsere KTM 790 Adventure R werden u.a. geröntgt und
wir selbst stellen uns in einen 3D Bodyscanner. Unsere Smartphones müssen wir entsperrt
abgeben, damit die Grenzbeamten unsere Fotos auf verdächtigen Inhalt überprüfen können. Ob
dabei auch eine Art Überwachungs-App im Hintergrund installiert wird, können wir nur vermuten -
alltägliche Apps und Websites sind nun auf alle Fälle gesperrt.


Nach mehreren Checkpoints und weiteren Registrierungen ist der erste Tag vorüber, aber
die Einreiseprozedur noch immer nicht final erledigt. Wir parken die beiden KTMs auf dem
Zollgelände und morgen geht's munter weiter. Es scheint teilweise reine Schikane zu sein, wenn
wir unsere Motorräder mehrmals umparken müssen, bis sie dann tatsächlich richtig stehen - so
wie zu Beginn.


Aber die gute Nachricht: Wir sind in China und unser verpflichtend notwendige Guide ist absolute
Spitze! Er führt uns u.a. durch die verwinkelten Gassen der historischen Altstadt Kashgars und zeigt uns den riesigen Basar - dazu erhalten wir viele aufklärende lokale Informationen.
Dabei immer präsent: Die totale Überwachung durch die Polizei und chinesiche Regierung.
Die historischen Differenzen zwischen den im autonomen Gebiet Xinjiang ansässigen Uiguren
mit der chinesischen Regierung in Bejing hat bestimmt zwei Seiten. Die Konsequenzen sind
jedoch erschreckend und vor allem für die Uiguren ein tiefer Einschnitt der persönlichen Freiheit:
Jede Fußgängerzone und viele Straßenunterführung haben unzählige Polizei Checkpoints zur
Taschenkontrolle und Registrierung per Personalausweis.

Es gibt wahrscheinlich keinen Winkel in der Stadt, der nicht kameraüberwacht ist.
Die Tankstellen sind so abgeschottet als könnte man dort Waffen kaufen und nur nach
Gesichtsscans zu betreten. Big Brother is watching you! Somit sind wir froh als wir am vierten Tag das total überwachte Kashgar verlassen und wir uns auf den top asphaltierten Karakorum Highway begeben.


Zwischen den Checkpoints dürfen wir frei fahren und genießen die einzigartige Berglandschaft in
vollen Zügen. Das Ambiente des Karakul Sees mit seinen schneebedeckten 7.000m Gipfeln im Hintergrund lässt uns staunen. Der letzte Tag in China führt uns über den Khunjerab Pass zum 4.693m hohen Grenzübergang nach Pakistan.


Hier erwartet uns unmittelbar am pakistanischen Grenzzaun eine 1,5-stündige Prozedur der
gänzlich anderen Art: Gruppenfotos, Selfies, Musik, Tanzen, Interviews und natürlich Probesitzen
auf den beiden KTM 790 Adventure R. Das ist doch mal eine freundliche Begrüßung: "Welcome to Pakistan!"

Fortsetzung folgt!

 

 

In Usbekistan erwarten uns mit den prächtigen Karawanenstädten Xiva, Bukhara und Samarkand die einstigen kulturellen Hochburgen und somit die Perlen der Seidenstraße. Leider sind die mit Schlaglöchern übersäten Straßen fahrerisch nicht gerade einladend, weshalb unsere KTM 790 Adventure R nur für die Verbindungsetappen zwischen den Städten bewegt werden. Doch das Sightseeing wie aus 1001 Nacht entschädigt diese Strapazen und wir erkunden die traumhaften antiken Plätze wie u.a. Registan und das Schahi-Sinda-Ensemble in Samarkand zu Fuß. Besonders der Ausblick nach unten von einer der Türme hat es uns angetan.

Usbekistan öffnet sich gerade ab diesem Jahr besonders gegenüber dem Tourismus und erteilt vielen Ländern Visafreiheit - was auch an den Mengen der Reisegruppen deutlich bemerkbar wird.
Nach einigen Tagen beeindruckenden Sightseeing in hitzigen Städten, aber eher öden Fahrten durch die flachen Wüstenebenen, können wir es kaum erwarten wieder auf unsere beiden KTM 790 Adventure R zu steigen und in Richtung der Hochgebirge Tadschikistans aufzubrechen - Wir sind nun voller Vorfreude den Pamir Highway in Angriff zu nehmen und schnuppern bereits die Höhenluft!

Tajikistan ist für uns Liebe auf den ersten Blick: Wir treffen super freundliche und auffallend viele junge Menschen - nahezu alle am Straßenrand winken uns zu und die Kinder geben uns sogar High-Five. Nach langer Zeit bekommen wir endlich wieder hohe Berge, enge Schluchten mit reißenden Bächen und himmelblaue Gebirgsseen zu Gesicht. Zusammen mit Martin sind wir nun auf drei KTM 790 Adventure unterwegs und testen unsere Offroad-Fähigkeiten am Iskanderkul-See bevor wir uns an den Pamir Highway heranwagen. Nur der Schnee auf der Fahrbahn des Anzob Passes konnte uns schlussendlich stoppen.

Der Pamir Highway in Tajikistan ist für viele Motorradreisende ein abenteuerlicher Traum, den wir uns nun erfüllen. Sein höchster Punkt führt uns über den Ak-Baital Pass auf 4.655m - der reduzierte Sauerstoff lässt uns bemerkbar schwerer atmen. Die umliegende Berglandschaft mit ihren schneebedeckten 7.000m Gipfeln ist ebenfalls atemberaubend.
Drei Tage haben wir zu unserer rechten Seite Afghanistan im Blick und sind nur durch einen Grenz-Fluss getrennt.
Gleich im ersten Abschnitt müssen wir zwei knietiefe Bäche mit großem Geröll im Flussbett durchqueren. Wir sind froh uns bei diesen Abenteuer zu viert gegenseitig unterstützen zu können. Neben Martin auf seiner KTM 790 Adventure hat sich uns nun auch Carlo auf seiner Royal Endfield Himalayan angeschlossen. (@riding_for_happiness)
Die Schlagloch übersäten Offroad-Pisten mit Sand- und Schotterpassagen fordern uns und die vollbepackten KTM 790 Adventure R heraus und machen gleichzeitig enormen Spaß.
Wir passieren mehrere Militärposten und die Dörfer werden dünner besiedelt - die überaus eifrig winkenden Kinder am Straßenrand sind tatsächlich überall zu sehen.
Auf der Südroute ins Wakhan Tal treffen wir den ganzen Tag nur auf ein einziges weiteres Fahrzeug. Sonst bekommen wir kaum Menschen zu Gesicht - nur ein paar Schafsherden durchkreuzen immer wieder unseren Weg. Vorbei am Karakul-See endet mit der Grenzstation auf 4.300m unser Abenteuer Pamir Highway und beginnt das Erlebnis Kirgistan.

Unser Aufenthalt in Ostanatolien hat sich unfreiwillig verlängert, da der Iran seit Mitte April spontan beschlossen hat, die alte 250 ccm Regulierung nun spontan und sehr strikt umzusetzen. Trotz aller vorhandenen Papiere wurden wir an 3 verschiedenen Grenzübergängen von iranischen Zollbeamten zurückgewiesen. Nun mussten wir eine zusätzliche 3.000 km Strecke in Kauf nehmen: über Naxcivan, nochmal zurück in die Türkei und anschließend über Georgien nach Armenien, wo uns die Hilfe eines in der Reiseszene bekannten Kontaktmanns für eine Sondergenehmigung zu einem Iran-Transit in Aussicht gestellt wurde.

Dieser Umweg bescherte uns aber keines Falls nur Missmut, sondern auch entspannte Momente am türkisblauen Wasser des Van-Sees, erholsame Tage in den Weinbergen von Georgien und schlammige Offroad-Pisten in Armenien, die uns nochmal herausgefordert haben bevor der entscheidende Grenztag zum Iran bevorstand. Nach zahlreichen Stunden im Niemandsland durften wir endlich bei Versuch Nummer 4 passieren und waren überglücklich als einer der wenigen Reisenden (bis dato 2019) selbst im Sattel der KTM 790 Adventure R den Iran in 8 Tagen durchqueren zu dürfen. Die iranische Bevölkerung erwartete uns mit überschwänglicher Gastfreundschaft, so dass es für uns oftmals nicht leicht war, den Schlafplatz im Haus auszuschlagen und unseren idyllischen Zeltplatz vorzuziehen.

So konnten wir in vollen Zügen die Natur der Berge und Wüste genießen - die Sightseeing Highlights der Städte blieben uns aufgrund des Zeitdrucks leider verwehrt, so dass wir auf alle Fälle wieder kommen müssen! Mit Turkmenistan erwartete uns nach Nordkorea der zweit totalitärste Staat der Welt, was uns bei der mühsamen und langwierigen Einreise- sowie Geldwechsel-Prozedur eine erste Idee geben sollte: Den tatsächlichen „Straßenkurs“ erfährt man nur unter vorgehaltener Hand, was die starke Inflation wohl verheimlichen soll. Die „weiße Stadt“ Ashgabat ist wie auf dem Reißbrett entworfen uns protzt mit Status-Denkmälern des Präsidenten. Die darauffolgenden Karakum-Wüste ist ein brutaler Gegensatz zu Land und Infrastruktur -

 

Hier müssen wir uns tatsächlich vor Kamelen in Acht nehmen, die unerwartet auf der von Schlaglöchern übersäten Buckelpiste namens „Straße“ auftauchten.

Am brennenden Gas-Krater von Derweze bietet uns ein Ziegenhirte spontan seine Jurte an und bekocht unsere gesellige Runde von 5 Motorradreisenden köstlich, so dass wir genug Zeit haben das Feuer-Schauspiel im Campingstuhl zu genießen. Nach 4 Tagen Transit durch Turkmenistan sind wir ehrlich gesagt etwas erleichtert Usbekistan zu erreichen, was deutlich bessere Infrastruktur und hoffentlich weniger staatliche Überwachung für deren Einwohner bereithält.

Wir haben in 3 Wochen die Türkei durchquert und befinden uns nun in Ostanatolien. Diese Region der Türkei beeindruckt uns mit engen Schluchten und imposanten Stauseen. Wir erkunden abgelegene Täler entlang von idyllischen Gebirgsbächen - wie bei unserer Fahrt über eine Hängebrücke.

Ihren Anfang nahm die Reise schon vor über einem Jahr in einem Salzburger Ingenieurbüro, in dem sich Roman und Florian als Kollegen ursprünglich kennen gelernt hatten. Eine Weltkarte an der Wand brachte die beiden mitten im stressigen Büroalltag auf den Gedanken, dem Trott einfach einmal den Rücken zu kehren und die Welt zu entdecken – am liebsten auf dem Motorrad. Die spontane Idee setzte sich in den Köpfen fest und formte sich zu einem Plan: Eine Motorradreise entlang der ehemaligen Seidenstraße – einer der längsten befahrbaren Landwege der Welt...im Travel Time 01 und 02/19 sowie hier auf unserer Webseite könnt Ihr die Geschichte weiter verfolgen.

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